Feinster Hard Rock aus Berlin: HEAT

von Jens Schmiehoff – Bandpic by Maren Michaelis Photography

Die Berliner Band Heat lässt den Sound der alten Zeiten wieder aufleben. Die Mitglieder dieses Bandprojekts stammen u.a. von Samsara Blues Experiment, Grandloom und den Hara-Kee-Rees. Aus ihrer gemeinsamen Vorliebe für den ursprünglichen Hard Rock bzw. des 70er Rocks, entstand eine eigenständige Band, deren Debütalbum im Jahre 2012 nicht nur Genrefreunde zu überzeugen wusste. Der 2014er Nachfolger „Labyrinth“ stand dem in Nichts nach. Hier werden alle Freunde aktueller Bands wie „Graveyard“, „Horisont „oder „The Graviators“ vollends auf ihre Kosten kommen. Let the good times roll! Seit wann sie gemeinsam musizieren, wie ihr Verhältnis zu Kadavar ist und was noch von ihnen zu erwarten ist, teilte Band-Schlagzeuger Marcus Töpfer Jens Schmiehoff im Interview mit.

Moin Marcus. Seit wann gibt‘s euch eigentlich und wie kam es zur Entstehung der Band?

Moin! Alles begann damit, dass wir uns irgendwann in 2011 in einem kleinen Proberaum in Berlin-Neukölln trafen und ein wenig rumjammten. Ich kannte Marco (Gitarre) von Konzerten und wir unterhielten uns oft über unsere gemeinsame Vorliebe für 60er & 70er Rock. Also haben wir kurzerhand beschlossen uns mal zu treffen und zusammen Musik zu machen. Ingo (Ex-Gitarre) und Patrick (Gesang) kannte ich schon länger und da die Beiden auf derselben Wellenlinie waren, war die Band quasi fast komplett. Wir harmonierten super, aber es fehlte natürlich noch der Bass. Für diesen Job haben wir Richard kennengelernt, der ja auch schon länger in der Berliner Stoner- & Psych-Szene unterwegs war (ex-Samsara Blues Experiment) und auch mit seinem Big Snuff Studio schon etliche Bands aus Berlin und dem Umland produziert hat. So fanden wir auch unseren neuen Proberaum

( Richard’s Studio), in dem wir dann auch unsere erste Platte schreiben und aufnehmen konnten. Offiziell besteht der Name Heat seit Anfang 2012 als wir unsere ersten Konzerte spielten.

Gibt’s als Berliner Band eigentlich einen wie auch immer gearteten Standortvorteil oder aber ist es durch die zahlenmäßig sicherlich starke Konkurrenz in der Hauptstadt eher noch schwieriger, sich bekannt zu spielen?

Ich denke der Standortvorteil liegt darin, dass Berlin eine hohe Dichte an Musikern hat, mit denen man sich austauschen kann bzw. auch musizieren kann. In der immer größer werdenden Metal/Hardrock/Stoner Szene sehe ich auch keine Konkurrenz, eher supportet man sich gegenseitig. Ehrlich gesagt sind wir alle froh, dass es Bands gibt die einen ähnlichen Musikgeschmack teilen wie wir.

War es von Beginn an klar, dass musikalisch weitestgehend die 60er 70er als Basis eurer Musik herhalten ‚müssen‘ oder ist dies auch ein wenig dem Hype um diesen sog. Retro Rock (zB Radio Moscow, Graveyard, Orchid, Blues Pills) geschuldet, der auch vor Deutschland seit einigen Jahren keinen Halt macht?

Von Anfang an war bei uns klar wo die Reise hingehen soll. Wir alle haben schon lange vor diesem Retro-Hype uns für Musik der 60er/70er Rock & NWOBHM interessiert und haben aus dieser Vorliebe heraus ja auch die Band gegründet, ohne auf irgendeine Welle aufspringen zu wollen. Natürlich sind die genannten Bands spitze, aber die haben sich sicher auch, wie wir, eher an den Originalen orientiert, als an irgendeinem Hype.

Ist bzw. war diese Retrowelle somit eher förder- oder hinderlich?

Wenn man bedenkt was für ein Schrott heute so im Mainstream-Bereich veröffentlich wird und auch Erfolg hat, ist es eine super Sache, wenn ehrliche, handgemachte Musik wieder Aufwind bekommt und auch gehört wird. Ich habe allerdings ein Problem damit, dass man als 70er Rock-orientierte Band immer nur mit dem Wort „Retro“ abgestempelt wird. Die Musik von damals ist so vielseitig und kann einfach nicht mit einem einzigen Begriff definiert werden. Davon mal abgesehen ist heutzutage alles Retro! Metal, Stoner, Hardcore, Punk…alles beruft sich auf schon mal dagewesene Stilrichtungen.

Ich bin als 1966 geborener noch mit der NWOBHM musikalisch sozialisiert worden und habe meine Vorliebe zum anspruchsvolleren 60s/70s Heavy Blues Psychadelic Sound erst spät für mich entdeckt. Seid ihr allesamt musikalisch derart domestiziert oder aber war die Entwicklung bei euch ähnlich?

Meine erste Begegnung mit 60s/70s Rock war in meiner Teenager Zeit, als ich mir die alten Tonbänder von meinem Vater angehört habe, die er damals zu DDR-Zeiten mit den Beatles, Deep Purple und Led Zeppelin bespielt hatte. Ich habe mich sofort darin verloren und habe angefangen mich näher damit zu beschäftigen. Aber dennoch hört es nie auf, dass ich immer wieder neue (alte) Bands entdecke und wieder der kleine Junge bin, der was Neues für sich entdeckt hat. Ich denke das gilt für jeden von uns.

Inwieweit existiert eine eingeschworene deutsche Szene dieses 70s-Booms? The Picturebooks, Travelin Jack, Zodiac und natürlich vor allem Kadavar fallen mir da unter vielen anderen spontan ein. Kennt man sich unter einander, tauscht man sich aus?

Sie existiert insoweit, wie vorhin schon erwähnt, dass man sich untereinander kennt, austauscht und gegenseitig supportet. Mit Travelin Jack z.B. haben wir letztes Jahr zusammen eine Tour gemacht und spielen gerne zusammen Shows. Seit kurzem Teilen wir uns mit denen ein Proberaum.

Und inwieweit verfolgt ihr den momentanen musikalischen Durchmarsch von Kadavar? Woran, schätzt ihr, liegt es bei ihnen?

Wir alle kennen uns schon länger und haben uns auch oft ausgetauscht aber je größer das Projekt Kadavar wurde, desto weniger trifft man sich. Für Musiker, die alles auf die Band setzen, ist es natürlich überlebenswichtig ausgedehnte Touren zu machen und PR-mäßig immer präsent zu sein. Wir finden es auch super, dass die Jungs es durchziehen und dementsprechend belohnt werden. Für uns jedoch wäre das ständig auf Tour sein eher nichts, da hängt zu viel anderes an jedem von uns dran.

Als deutsche Band dieses „Seventies Sounds“ ist es sicherlich nicht einfach, eine eigene Headlinertournee auf die Beine zu stellen? Zodiac aus Münster haben dies gerade geschafft. Stehen bei euch derartige Gedankengänge an?

Genauer genommen, hatten wir schon eine Headlinertour , die aber nicht so erfolgreich lief, weil wir diese selbst organisiert haben. Da fehlten uns die richtigen Kontakte aber es hatte trotzdem viel Spaß gemacht. Natürlich streben wir es an, nächstes Jahr für unser neues Album eine Headlinertournee auf die Beine zu stellen.

Inwieweit sind gerade deshalb auch Festivals für Bands wie euch überlebenswichtig?

Festivals sind für Bands überlebenswichtig, weil es da die größeren Gagen gibt, der Merchverkauf gut läuft und man seine Musik unter sehr vielen Leuten bringen kann. Weiterhin lernt man viele neue Gesichter kennen mit dem man sich austauschen kann und Kontakte untereinander knüpfen kann.

Irgendwie vermisse ich bis dato immer wieder den Namen „Heat“ auf dem Billing des „Freak Valley Festival“. Eigentlich seid ihr meines Erachtens doch musikalisch dafür prädestiniert. Woran liegt’s?

Das Freak Valley ist ein Super Festival und hat immer ein Top Lineup. Leider hat es bisher nie geklappt, obwohl wir seit drei Jahren versuchen dort zu spielen. Vielmehr bekommen wir dann Angebote von den Rockfreaks für eine Clubshow in Vortex, Siegen. Woran es liegt, dass wir es bisher nicht geschafft haben, wissen wir auch nicht…

Ihr habt mittlerweile zwei Alben in ein und derselben Formation auf den Markt gebracht. Auf dem „Kustom Kulture Festival“ in Herten Anfang Juni stand dann ein neuer Bassist auf den Brettern. Steht ein personeller Wechsel an?

Richtig erkannt. Wir haben einen neuen Bassisten. Wir haben diesen Schritt gewagt, weil unser nun Ex-Bassist weniger Zeit für uns gefunden hat und wir uns natürlich weiterentwickeln wollen. Aber wir verstehen uns weiterhin super und er unterstützt uns auch bei der Single- / Albumproduktion.

Eure beiden Alben erschienen 2012 und 2014. Das nächste dürfen wir somit noch in 2016 erwarten?

Geplant war eigentlich ein Album 2016 rauszubringen. Da wir einen personellen Wechsel hatten und dementsprechend viel proben sowie neue Songs schreiben müssen, verschiebt sich die Albumproduktion. Unser Plan ist, dass das neue Album im Frühjahr 2017 veröffentlich wird. Aber um die Wartezeit zu verkürzen haben wir eine Single gemacht. Diese wird im frühen Herbst veröffentlich. Wird geil!

Und werdet ihr euren musikalischen Weg weitergehen oder muss/darf der geneigte Heat-Anhänger sich auf die einen oder anderen ganz neuen Töne gefasst machen?

Wie jede andere Band entwickeln wir uns auch weiter und jeder personeller Wechsel bringt neue Einflüsse mit sich. Es wird auf jeden Fall kurze knackige Songs geben, was bei uns noch nie der Fall war. Aber grundsätzlich wird sich nicht viel an unserem Sound ändern.

Wer ist generell bei euch für’s Songwriting und die Musik zuständig oder ist dies ein Gesamtprodukt aus den Ideen aller?

In den meisten Fällen ist es so, dass Marco (Gitarre) und Matthias (Gitarre) mit einer Idee ankommen, mit der wir dann zusammen weiter arbeiten. Manchmal entstehen einzelne Songstrukturen durch gemeinsamen Jammen aber dies ist selten der Fall. Jeder hat sein Part und jedem ist es selbst überlassen was er damit macht, muss halt nur geil klingen und passen.

Nachdem ich eure Entwicklung auf Vinyl von Beginn an mit Begeisterung verfolge. habt ihr mich auch live auf dem“Kustom Kulture“ – trotz eines recht miesen Veranstaltungssounds – komplett überzeugt. Wo kann man euch 2016 noch sehen?

Am 06.08.16 werden wir auf einem Festival nähe Chemnitz spielen. Ansonsten werden wir im Oktober zwei Shows jeweils in Hamburg und Berlin, von unserem Label veranstalteten This Charming Man Fest, spielen. Wir sind auch dran, eine kleine Tour im Herbst zu organisieren.

Zu guter Letzt stellt sich mir wie immer die Frage, welche aktuellen Longplayer momentan bei euch „dauerrotieren“ und welchen „Best ever“-Alben ihr frönt?

Puhh… gute Frage, bei mir gibt es momentan keine dauerrotierenden Longplayer.

Best- ever: (Von allen ausgewählt)

AC/DC – Alles, aber mit dem alten Sänger (Bon Scott)

MC5 – High Time

Genesis – the lamb lies down on Broadway

Deep Purple – In Rock

Led Zeppelin – I

Und so weiter… gibt noch einige Best ever alben

Vielen Dank, Marcus, dass du dich in eurer heißen Bandphase unseren Fragen gestellt hast. Viel Erfolg bei euren künftigen Projekten.

Gerne. Und danke.

https://www.facebook.com/Heatthelights/
http://heatberlin.bandcamp.com/
https://www.youtube.com/watch?v=2qtaUnRdHTY&list=PL400jMtsmS61W7OeajYavkRY1czkLlT2D
https://www.youtube.com/watch?v=_AwN11ZQ32s&feature=youtu.be

 

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