Monster Truck Rockpalast Bochum

Konzertreview: MONSTER TRUCK & Zodiac

Rockpalast Bochum, 29.03.2016

von Jens Schmiehoff

„Some kind of Münster“ mag man denken, wenn man den Namen „Zodiac“ hört. Und so ist es dann auch. Drei Studioalben, ein Liveoutput sowie eine Headliner-Tour in nur 4 Jahren zeugen davon, dass die Jungs aus NRW ihr Heavy-Blues-Eisen so lange schmieden wollen, wie es heiß ist. Wer dies nun als negative Attitüde auslegen mag, dem sei einfach mal ein Gig der vier Jungs ans Herz gelegt. Auch als Opener für Monster Truck überzeugten sie einmal mehr von der ersten Note an. Ihr professionell dargebotener musikalischer Mix aus Heavy Blues- und Classic Rock war weitaus mehr als ein Appetizer für das, was der Abend noch bereit hielt. Von „groovig psychadelic rockend“ bis hin zur bluesgeschwängerten Ballade ist das musikalische Portfolio der Band annähernd so groß wie gut. Der ein oder andere mag die Stimme des Sängers und Gitarristen Nick van Delft – so wie ich ab und an – für gewöhnungsbedürftig halten, weil sie bisweilen stark an Chris Rea erinnert. Und doch lasse zumindest ich mich im Laufe eines Auftritts immer wieder von ihr überzeugen. Wie nicht selten endete ein „Zodiac“-Konzert mit dem fantastischen „Coming Home“. Die schon auf LP knapp 10 Minuten dauernde Ballade wird live noch einmal durch perfekt dargebotene Instrumentalpassagen auf 15 nie langweilige Minuten gehievt. Und dass binnen jener 15 Minuten die 70er so nah waren wie an diesem Abend selten, war längst nicht die einzig wichtige Botschaft der Münsteraner. Eine andere war, dass die Jungs auch künftig nicht an Schaffenskraft einbüßen werden, was sie durch einen dargebotenen Song ihres erst im Juni 2016 erscheinenden vierten Longplayers eindrucksvoll unter Beweis stellten.

 

In der Umbaupause dann war das letzte von Band kommende Lied „Long live rock’n’roll“ von Rainbow, bevor die vier Kanadier die Bühne betraten. Zufall? Mag sein, zumindest aber hätte kaum eine musikalische Botschaft treffender sein können. Denn mit nichts Anderem hatten wir es die nächsten knapp 1 ½ Stunden zu tun. Rock’n’Roll, gepaart mit gehörigen Prisen des Southern sowie des Heavy Blues Rock. Und es zündet. Wie man es entsprechend der EP und den zwei Alben erwarten konnte. Nein, eigentlich wurde der „Ar…“ live noch weitaus intensiver getreten. Mit insgesamt 17 Songs spielten sie sogar das Gros beider Alben. In Hälfte eins des Konzertes zumeist die Songs des aktuellen „Sittin’ heavy“-Albums, im späteren Verlauf weitestgehend die des ersten namens „Furiosity“. Die beiden Starter „Don’t tell me how to live“ und „Why are you not rockin’?“ führten umgehend zu einer Union von Band und Publikum. Wobei man schnell den Eindruck gewann, dass die Kandier nicht mehr tun mussten, als einfach ihre Songs zu spielen. Ihnen gegenüber standen Fans, die nach Monster Truck lechzten. Der rappelvolle „Rockpalast“ schien zu bersten. Ob nun „geheadbangt“ oder einfach nur mitintoniert wurde. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass all die Energie, die die Band auf die Zuhörer übertrug, umgehend und nicht unvermindert zurück gegeben wurde. Sei es nun während der unfassbar druckvollen Rock-Walze „The Enforcer“, einem Arenarocker wie „She’s a witch“, etwas besinnlicher zu „Black Forest“ oder dem Feelgood-Song „Things get better“. Letzteren würde sich eine gemäßigtere Retro-Band wie Rival Sons sicherlich liebend gern auf die eigenen Fahnen schreiben. Die vier Jungs harmonierten zudem live prächtig zusammen. Übernimmt Gitarrist Jer Wilderman während seiner Riffgewitter zumeist den wilden Part, der auch gern mal vorsieht, sich wie der junge Angus Young energiegeladen über die Bretter zu bewegen, liebt es Sänger und Bassist Jon Harvey zumeist eher ruhig und zurückhaltend. Aber eben nicht weniger intensiv. Seine dominante Stimme ergänzt sein fettes Bassspiel und bildet eine kraftvolle Basis für den erdigen  Sound. Schlagzeuger Steve Kiely lässt zudem keine musikalischen Wünsche offen. Und doch ist das womöglich introvertierteste Rädchen im Truckgetriebe auch das wichtigste. Organist Brandon Bliss, dem man im Laufe eines Konzertes gern mal anstupsen mag, weil der Eindruck aufkommen könnte, er sei eingeschlafen, bietet das letzte, immens wichtige, Quentchen an Würze für dieses Southern-Menü. Seine bisweilen Jon Lord ähnlichen Läufe stellen für mich ganz einfach das Besondere an MT dar. Und exakt davon kann sich Deutschland noch während zweier Headlining-Shows überzeugen, bevor MT dann im Laufe des Jahres noch einmal als Opener für Nickelback nach Europa zurückkehren werden.

Was abschließend bleibt, ist die Erkenntnis, dass hier etwas Großes heran wachsen kann. Selten wurde die Garde junger Bands, die sich überwiegend dem 70er Sound verschrieben haben, derart explosiv vertreten. Neben den US-Amerikanern Crobot sind Monster Truck für mich momentan die hellsten Lichter am jungen Rockfirmament. Oder wie Slash, der sich MT für seine eigene Tour weiland 2014 explizit als Vorband wünschte, zu sagen pflegte: „Monster Truck gehört zu den wenigen grandiosen bodenständigen Rock’n’Roll-Bands, die ich in den vergangenen Jahren gehört habe. Hard, heavy und mit viel Seele”. Ebenso auf den Punkt bringen es wohl nur noch die Band eigenen Worten: „Don’t fuck with the truck!“

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