Interview: DON FELDER (Ex-Eagles)

Wenn einmal im Jahr die Top-Stars der Rock-Musikszene sich ins tiefste Niederbayern aufmachen, um ihre Klassiker in Zusammenarbeit mit der Mat Sinner Band und Prager Symphonie Orchester unter dem Namen „Rock Meets Classic“ zum Besten zu geben, ist es für einen Musikblog unserer Größe eine Ehre, wenn Ex-Eagles-Gitarrist Don Felder sich bereit erklärt, sich mit uns zu treffen. Voller Vorfreude auf ein Gespräch mit dem Mann, der sich mit dem Eagles-Klassiker „Hotel California“ unsterblich gemacht hat, wartete ich Kette rauchend vor dem Bühneneingang zur Dreiländerhalle in Passau.

Hallo Don, vielen Dank dafür, dass Du es möglich gemacht hast, dass wir uns heute mit Dir hier treffen können.

DF: Danke, freut mich auch.

Zwangsläufig  lassen sich Fragen zu den Eagles nicht vermeiden, dazu aber später. Du hast seit Deinem Ausstieg bei den Eagles lediglich ein Soloalbum, aber auch ein Buch veröffentlicht. Bist Du ein Musik machend Schriftsteller oder ein schreibender Musiker?

DF: Ich denke beides. Wenn ich an meine Zeit bei den Eagles zurück denke, dann waren da fünf sehr gute Musiker. Jeder sang, jeder schrieb Songs und jeder spielte. Wir kamen aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen. Glenn vom R&B, Don Henley aus der Texas-Southern-Country-Richtung, ich vom Rock. So entstanden natürlich auch Differenzen, was unsere musikalische Ausrichtung, aber auch die Produktion und die Arrangements betraf. Als bei den Eagles Schluss war, war ich plötzlich für alles selbst verantwortlich. Wenn du Dir mein letztes Soloalbum „Road To Forever“ und auch Songs von meinem neuen Album, an dem ich gerade arbeite anhörst, findest Du darauf eine Menge Rock´n´Roll, Country-Rock, eine Ballade, aber auch ein wunderschönes Kinderlied. Ich bin diesbezüglich nicht engstirnig und nur auf einen Musikstil fixiert. Es gibt soviel interessante Musikstile und -richtungen auf der Welt und ich habe auch mit vielen verschiedenen Musikern der unterschiedlichsten Richtungen gespielt und aufgenommen.

Oh, ein neues Album. Kannst Du uns schon einen Titel und ein Veröffentlichungsdatum nennen?

DF: Nein, einen Titel kann ich Dir noch nicht nennen. Es wird höchstwahrscheinlich im Sommer diesen Jahres auf den Markt kommen. Der genaue Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest. Sieben Stücke sind fertig, zwei oder vielleicht auch drei weitere muss ich noch fertig stellen. Allerdings steht erst noch eine US-Tour mit STYX und REO SPEEDWAGON auf dem Programm, danach geht´s an die letzten Arbeiten vom Album.

Auf „Road To Forever“ sind eine Menge namhafter Musiker dabei. Freunde oder Gastmusiker?
(Steve Lukather linst um die Ecke und weist darauf hin, dass er auch mit von der Partie war)

DF: Eher Freunde, ich fühlte  mich geehrt, dass z.B. Luke (Steve Lukather) sofort zugesagt hat.

SL: Ich liebe Dich auch Don….

DF: Stephen Stills kenne ich seit wir 14 Jahre alt waren, mit Graham Nash spielte ich schon 1973 bevor ich zu den Eagles kam. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wer denn auf „Road To Forever“ spielen könnte, wenn ich fragen soll. Dann habe ich eine Roadmap erstellt und meine „Wunschmusiker“ den Songs zugeordnet. Dann konnte ich die einzelnen Künstler fragen, ob sie Lust hätten auf meinem Album mitzumachen.

Du hast Deine Biographie unter dem Titel „Heaven and Hell – My Life In The Eagles“ veröffentlicht. Was ist der Himmel und was ist Hölle?

DF: Ich denke, jede Beziehung oder Partnerschaft hat ihre Höhen und tiefen. Bei den Eagles waren die Höhen extrem hoch, die Tiefen dementsprechend aber abgrundtief. Die Zeit war so unglaublich anstrengend und schwierig. Wir waren so erfolgreich, wie wir es uns in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet hätten. Eine Textzeile in „Hotel California“ lautet „….this could heaven and this could be hell….“. Ich fand, das war der perfekte Titel für mein Buch.

Ihr wart fünf unglaublich talentierte, aber auch unterschiedliche Musiker und miteinander sehr erfolgreich. Waren das die Hauptgründe dafür, dass diese Band zerbrach?

DF: Nein, es gab sicher mehr Gründe. Aber pass auf, ich erzähl Dir was. Als wir anfingen Musik zu machen, waren wir fast noch Kinder. Durch den Erfolg wurde alles größer und größer und größer. Jede neue Platte sollte oder musste besser sein als die letzte. Wir haben wohl die letzte Stufe der Erfolgsleiter erreicht, denn es war schlichtweg unmöglich, den Erfolg von „Hotel California“ in irgendeiner Weise noch zu toppen. Durch den ständigen Prozess Album-Tour-Album-Tour ist einfach auch die Magie verloren gegangen. Wir haben das nicht so geplant, aber es ist so gekommen. Es wurde irgendwie frustrierend, dass wir nach der Veröffentlichung einer Platte sofort wieder auf Tour mussten. Wir fingen an uns zu beschimpfen. Zudem spielten natürlich auch der Alkohol und die Drogen zur damaligen Zeit eine sehr große Rolle.

Nach Abschluß der Tour zu „The Long Run“ sagte Glenn (Frey): „…so, das war´s ich steige aus…“. Er rief Don (Henley) an und sagte ihm, dass er nicht  mehr mit ihm arbeiten könne und aussteigen werde, um ein Soloalbum zu machen.Glenn wollte das nicht mehr, er nannte das immer „the hardenning of the artistry“, was bedeutet, dass es zwar schwierig ist, als Künstler erfolgreich zu werden, es aber noch schwieriger sei, erfolgreich zu bleiben. Die Eagles haben sich nicht aufgelöst, Glenn ist ausgestiegen.

Trotz aller Differenzen – warst du sehr bestürzt, als Du vom Tod von Glenn Frey erfahren hast?

DF: Darüber möchte nicht sprechen, aus Respekt…

(während des Gesprächs betritt ein sichtlich gut gelaunter Steve Lukather den Raum, um sich zu erkundigen, was sein Kumpel denn so macht und mit wem er sich gerade unterhält)

SL: Hallo, wie geht´s Dir?

Danke, Steve….sehr gut – und weg war er….

Stimmen die Gerüchte, dass Duane Allman Dir beigebracht hat, wie man Slide-Gitarre spielt?

DF: Ja, wir wuchsen beide im selben Ort, in Gainesville auf. Duane war der erste, den ich Slide-Gitarre spielen sah und ich was so fasziniert, dass ich zu ihm gesagt habe: „Zeig mir das“, worauf er mir die Grundlagen des Slide-Spiels gezeigt hat.

Was ist das eigentlich für ein Gefühl, der Autor eines der erfolgreichsten Rock-Songs aller Zeiten zu sein?

DF: Hm….ein Beispiel…Vor vier Jahren spielte ich eine Show vor den Vereinten Nationen in New York City. Da waren ungefähr 500 Leute – Präsidenten, Minister, Staatssekretäre, usw. Ungefähr die Hälfte von Ihnen sprach kein Englisch. Als wir „Hotel California“ spielten erhoben sich alle Anwesenden und sangen kollektiv den Text mit.

Abschließend eine Frage zur aktuellen „ROCK MEETS CLASSIC“-Tour. Was hat Dich dazu bewogen, Teil dieser Tour zu sein?

DF:Ich habe schon öfter mit verschiedenen Orchestern gespielt, denk nur mal an die „Hell Freezes Over Tour“ mit den Eagles. Es ist eine erhebende Erfahrung für einen Rockmusiker mit einem Orchester zu spielen, ein ganz anderes Gefühl, eine ganz andere Magie. Als ich die Anfrage für diese Tour erhielt, habe ich sofort zugesagt. Vor allem auch, weil ich Deutschland einfach liebe. Weißt Du in welchen Ländern wir mit den Eagles die größten Erfolge gefeiert haben?

Äh, Nein…vermutlich in den USA?

DF: Nein, in Deutschland und Japa

Ach ???? Ne, oder….???

DF: Doch, sogar um einiges mehr als in den USA. Es gab zu Hause einfach zuviele Bands, die den Eagles ähnlich waren, das war vermutlich einer der Gründe. Ausserdem klang es für mich sehr interessant mit einem Orchester und vielen bekannten Rockmusikern durch Deutschland zu touren.

Herzlichen Dank Don Felder für dieses Interview und noch viel Spaß in Deutschland. Wir freuen uns auf Dein nächstes Album.

DF. Ebenso vielen Dank.

Anmerkung des Autors: gerne hätten wir auch noch über den Auftritt von Don Felder in Passau berichtet. Managementberichten zu folge hat der mediale Platzhirsch in der Dreiflüssestadt allerdings so seine Probleme mit Mitbewerbern und – aus welchen Gründen auch immer er das darf – seine Exklusivrechte für das Showreview in Anspruch genommen. So what….!!!!

Autor: Jürgen  Hüsemann – Pics: Jürgen Hüsemann

 

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.