FREAK VALLEY FESTIVAL

FREAK VALLEY FESTIVAL: Interview mit Veranstalter Jens Heide

Vom 26. bis 28. Mai 2016 wird das „Freak Valley Festival“ in Netphen nunmehr in seiner fünften Auflage stattfinden. Dieses Festival gilt längst nicht mehr nur als Geheimtip für Freunde des Blues- Stoner- und Psychedelic-Rock. Musikfreunde aus aller Welt treffen sich mittlerweile dort, auch um ein wenig den „Geist von Woodstock“ zu bewahren. Trotz seiner intensiven Vorbereitungsphase nahm sich Organisator Jens Heide noch für „Rock Music News“ Zeit und stand Jens Schmiehoff für ein Interview zur Verfügung.

Moin Jens, vielen Dank vorab für die kostbare Zeit, die du uns gerade jetzt noch zur Verfügung stellst.

Moin Jens! Zeit hab ich tatsächlich im Moment recht wenig, aber deine Fragen will ich dir trotzdem sehr gern beantworten.

Jens, wenn ich mir die Begrenzung von 999 Tickets im Premierenjahr des „Freak Valleys“ vor Augen führe, frage ich mich heute, wie viele wurden 2016 verkauft und wie viele hätten geschätzt verkauft werden können?

Im ersten Jahr 2012 wurden uns vom Ordnungsamt maximal 1000 Zuschauer genehmigt. Damit waren wir mehr als zufrieden, da wir schon mit 500 Leuten mehr als zufrieden gewesen wären. Dass wir dann vor Festivalstart ausverkauft waren, hat uns alle sprachlos gemacht. Wir hätten sogar noch einigen Tickets mehr loswerden können.
Wir haben dann von Jahr zu Jahr die Kapazität bis auf 2500 letztes Jahr gesteigert. Dabei sind wir dieses Jahr auch geblieben und so wird es auch in Zukunft bleiben. Wir waren 2015 komplett zufrieden und denken dass die Größe so optimal war. Wir haben das Gelände ja jedes Jahr weitläufiger und offener gestaltet. Wie viele Tickets mehr wir hätten verkaufen können, kann ich nur schätzen. Wir sind ja seit November ausverkauft. Anfragen gibt es hunderte. Ich gehe mal von 3.500-4.000 insgesamt aus.

Ihr schützt euch auch weiterhin intensiv davor, zu groß zu werden und werdet auch künftig auf dem AWO-Gelände (Arbeiterwohlfahrt Siegen) bleiben?

Das Gelände mit all seiner Infrastruktur ist für uns optimal. Solange wir dürfen, werden wir da bleiben. Zudem ist das Verhältnis zur AWO wunderbar.

Wie langwierig war überhaupt der Prozess von der lockeren Idee eines Festivals bis hin zum ersten musikalischen Ton im Jahre 2012?

Die Idee schwirrte schon ewig lang in meinem Kopf herum. Es haperte immer an einem geeigneten Gelände. Als ich einen Anruf von der AWO bekam ob wir nicht noch mal ein Open Air dort machen wollten (in grauer Vorzeit war ich Mitveranstalter der hier legendären „Rock & Reggae“ Festivals, die auch dort stattfanden), war ich natürlich sofort Feuer und Flamme und dann ging auch alles recht fix. Geschätzt nicht mehr als ein Jahr.

Inwieweit half dir deine Organisationserfahrung, die du über deine Arbeit für das „Vortex“ in Siegen einbringen konntest?

Ohne die hätte das nicht funktioniert. Dabei mein ich nicht einmal das Organisieren. Da ist ein Open Air nicht mit einer Clubshow zu vergleichen. Vielmehr die Kontakte zu Band und Bookern, die ich über Jahre aufgebaut hatte. Das Line-Up stand ziemlich schnell. Zum Glück hatten wir schon länger die Rock Freaks (http://www.rockfreaks.de/ueber-uns/) gegründet, so dass von Anfang an genügend Mitstreiter und Organisatoren am Start waren. Ohne diese tollen Freaks wäre all das unmöglich. An dieser Stelle dafür noch mal vielen Dank – ihr seid die besten!!

Wie groß ist der Kreis der Entscheidungsträger bezüglich des jeweiligen Line-Ups und welches sind die hauptsächlichen Entscheidungskriterien für euch?

Der Kreis ist recht klein. Er besteht aus mir 😉
Das heißt aber nicht, dass ich auf Wünsche von anderen nicht eingehen würde oder diese gar völlig ignorieren würde. Aber im Endeffekt habe ich die Hand auf dem Line-Up und halte auch meinen Kopf dafür hin. Nur so bekomme ich ein ausgewogenes Programm gebastelt. Ich denke, das hat bisher ja auch immer recht gut funktioniert. Wichtig ist mir, den Zuschauern einen tollen Mix aus Szenegrößen und auch unbekannten, aber immer musikalisch richtig geilen Bands zu bieten. Dabei versuche ich immer die Abwechslung möglichst groß zu halten. Ein Alleinstellungsmerkmal des FVF ist sicher, dass wir auch immer Bands am Start haben mit denen im Vorfeld niemand gerechnet hätte. Zum Glück funktioniert das bei uns.
Profitiert ihr als Ausrichter eigentlich sehr vom mittlerweile länger schon andauernden Boom der 60er und 70er Retro-Musik-Welle oder habt ihr diese Entwicklung sogar noch stark mit beeinflussen können?

Ich gehe davon aus, dass es uns zugute kommt, dass handgemachte Musik die ihre Wurzeln im Blues, Psychedelic und Heavy Rock der 60er und 70er Jahr hat anscheinend aktuell recht angesagt ist. Wobei man natürlich sehen muss dass diese geile Musik weiterhin ein absolutes Nischendasein fristet. Es ist ja (leider) nicht so, dass selbst die Szenegrößen Stadien oder große Hallen füllen würden. Unsere Headliner spielen auf den großen Festivals Mittags – oft auf Nebenbühnen. Das ist ein riesiges Problem. Die Booker versuchen natürlich den „Boom“ auszunutzen und diese Bands auf die großen Festivals zu buchen. Die zahlen richtig Geld und machen es dadurch für uns kleine Veranstalter immer schwieriger die bekannten Acts zu bekommen. Die Gagen explodieren förmlich. Außerdem bauen diese Festivals irrsinnige Gebietsschutz Klauseln in die Verträge.

Für mich bietet diese musikalische Epoche, die ich ansatzweise noch selbst miterleben durfte, das Nonplusultra meiner musikalischen Reise. Kann man sagen, dass ihr versucht, auch denjenigen, die zu jung dafür waren, für drei Tage im Jahr eine spacige, psychadelische und bisweilen schlammige Heimat zu bieten?

Auch ich bin genau mit dieser Musik groß geworden – leider jedoch wie du auch etwas zu spät auf die Welt gekommen. Natürlich kommt man sich bei unserem Freak Valley Festival schon mal vor wie auf einer musikalischen Zeitreise – und es ist auch super, dass es so ist!

Die „Blues Pills“ zum Beispiel haben einen nicht unerheblichen Anteil ihres eigenen Durchbruchs auch dem Auftritt auf eurem Festival zu verdanken. Wie eng ist die Bindung zwischen dir und ihnen? Immerhin sagt man, sie haben ihren Bandnamen „in persona“ dir zu verdanken.

Nun, zu Blues Pills habe ich schon eine ganz besondere Verbindung. Ich habe sie im Grunde von Anfang an begleitet und versucht zu unterstützen. Als ich die ersten Probenraum Aufnahmen mit Elin hörte war mir klar, dass da etwas ganz fantastisches entstehen wird.
Zack und Cory kannte ich schon seit 2009 aus ihrer Zeit mit „Radio Moscow“. Damals spielten sie eine meiner ersten selbst auf die Beine gestellten Shows hier in Siegen. Die Verbindung ist niemals abgerissen. Als es dann viele Jahre später zum Zerwürfnis mit Parker kam, kontaktierten mich die Jungs und wir bastelten zusammen an einer neuen Band. Im Netz bin ich seit jeher mit dem Nick „bluespilz“ unterwegs. Es ist der Name einer deutschen Bluesrock Band die 1979 ihre erste LP rausgebracht hat. Der Bandname faszinierte mich. Cory wohl auch – denn er fragte ich ob es ok wäre wenn sie meinen Nickname in einer etwas abgewandelten Form, nämlich „Blues Pills“ für ihre neu entstehende Band nutzen dürften. Sie durften natürlich. Der Rest ist bekannt… 😉

( Blues Pilz = https://www.youtube.com/watch?v=LK0NarIcWBA)

Im Rahmen eines solch fast familiären Festivals muss doch die Bindung zwischen euch und all den Bands generell sehr freundschaftlich und eben auch eng und familiär sein, oder?

Absolut! Und das ist uns auch ganz wichtig. Bei uns triffst du so gut wie alle Bands am Gelände unter den Zuschauern oder beim Merch. Viele Bands kommen bewusst länger als nur zu ihrem Auftritt, um das ganze Festival miterleben zu können. Das ist super! Zu den allermeisten Bands habe ich auch persönlichen Kontakt.

Kann man mit diesen menschlichen Werten eigentlich punkten, um auch an Bands zu gelangen, die von ihrem Standing her sonst vielleicht außer Reichweite des „Freak Valley Festivals“ gewesen wären?

Auch da hast du vollkommen Recht. Dazu kommt, dass die Bands selber sehr positiv von ihren Festivalerfahrungen unter Kollegen berichten. Viele Bands wollen sehr gern bei uns spielen. Allerdings wird es bei den größeren Bands, wie schon erwähnt, immer schwieriger, sie zu bekommen. Aber auch da helfen persönlich Kontakte natürlich sehr. Ohne diese wäre es z.B. nicht möglich gewesen, dieses Jahr Graveyard zu bekommen.

Sind im Zuge dessen eigentlich auch einmal auftretende Bands privat bei dir oder deinen Freunden untergebracht?

Nicht während des Festival. Da stehe ich zu sehr unter Strom um mich noch um Bandbeherbergung kümmern zu können. Bei Clubshows habe ich oder Kollegen aber hin und wieder schon Bands privat untergebracht.

Wenn ich mir persönlich das diesjährige LineUp ansehe, sind es „Dead Meadow“, „Black Rainbows“ und vor allem „Orange Goblin“, auf die ich mich ganz besonders freue. Wie sieht es bei dir aus, ohne den Nichtgenannten nun „auf den Schlips zu treten“?

Du, das kann ich echt nicht sagen – ich freue mich auf das komplette Festival. Und dazu gehört einiges mehr als „nur“ die Bands.

Man kann natürlich kein Interview führen, ohne den Mitorganisator zu fragen, welche drei Bands er sich für sein eigenes Festival wünscht. Also getreu dem Motto „The sky ist the limit“!

Wolfmother, Sleep, Gov’t Mule

Und welche drei Bands, der originären 60er und 70er Ära hättest du gern mal selbst präsentiert?

Led Zeppelin, The Jimi Hendrix Experience, Mountain

Eine Frage von Musikliebhaber zu Musikliebhaber: wie großartig ist eigentlich das Gefühl, seine Liebe zur Musik zur Berufung zu machen und Bands, deren Erzeugnisse man einst nur von etwaigen Tonträgern kannte, persönlich kennenzulernen nun selbst präsentieren zu dürfen?

Ich denke, dass das ein ganz entscheidender Punk ist warum ich das Ganze so gern mache. Du musst sehen, dass wir das alles in unserer Freizeit auf die Beine stellen und niemand von uns Geld damit verdient. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen Szenefestivals. Es ist ein wunderschönes Gefühl wenn man merkt, dass die Bands anerkennen wie viel Herzblut man in diese Arbeit steckt. Wenn du dann liest was z.B. Blues Pills an netten Worten auf ihre 2Live at Freak Valley LP“ geschrieben haben, ist das mehr wert, als jedes Geld und lässt dich all den Stress, den die Organisation eines solchen Festival mit sich bringt, vergessen.

Eine letzte Frage für all die Kurzentschlossenen: lohnt es sich überhaupt noch für Tagestickets zum „Freak Valley Festivals 2016“ anzureisen?

Leider nein – wir sind echt restlos ausverkauft. Eine letzte Chance an Tickets zu kommen wird es allerdings noch geben. Am 25. April spielen Wo Fat & Mothership (beide mit Live @ Freak Valley Alben ausgestattet) im Vortex Surfer in SIegen. Hier werden wir alle Rückläufer zum Verkauf anbieten. Vermutlich so um die 50 Tickets. Das ist dann aber wirklich die letzte Chance. Es sei denn man möchte Mondpreise in der Bucht zahlen.

Nun bleibt mir nur noch übrig, dir für den Ablauf eures Festivals alles Gute zu wünschen und mich für das Interview in dieser für dich so stressigen Phase zu bedanken, Jens.

Ich danke dir!

P.S.: Alle Infos zum FREAK VALLEY FESTIVAL gibts hier: http://www.freakvalley.de/

 

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